Um Gesundheit bemühen in einer ungesunden Welt

Sollen wir gesund sein? Am Anfang sprach Gott: „Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1. Mose 1, 26). Reflektiert chronische, entkräftende Krankheit eine Situation, die so gewollt war?

Es wäre ein Fehler, die Schuld für unsere kollektive Geschichte und die Entscheidungen, die uns dahin gebracht haben, wo wir heute sind, bei Gott zu suchen. Durch die weitreichenden Auswirkungen der Sünde leben wir in einer Welt, die nicht Gottes Absichten entspricht. Und obwohl die Bibel in Aussicht stellt, dass die Menschheit letztlich von den Folgen der Sünde erlöst wird, müssen wir unser jetziges Leben in der Welt von heute leben. Die Bibel beschreibt diese Welt mit der Metapher, dass die Schöpfung mit Angst und Seufzen auf diese Zukunft des Heilens wartet (Römer 8, 18–22) – und eine Form, in der sich dies äußert, ist Krankheit. In diesen Zeiten zeigen Statistiken über die weltweite Gesundheit einfach unser menschliches Dilemma und die Notwendigkeit, uns in einer fehlerhaften Welt um unsere Gesundheit zu kümmern. 

Daten der Weltgesundheitsorganisation zufolge sind im Jahr 2021 (der Coronazeit) 68 Millionen Menschen gestorben, davon allerdings mindestens 43 Millionen an nicht mitteilbaren Krankheiten – 75 % der weltweiten Todesfälle hatten nichts mit der Pandemie zu tun. Ihre Ursachen waren nicht Erreger oder Keime, die Infektionen von Mensch zu Mensch übertragen, sondern chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall, Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen (z. B. chronisch obstruktive Lungenerkrankung).

Inzwischen ist bekannt, dass viele chronische Krankheiten mit dem zusammenhängen, was unsere gemeinsame Umwelt geworden ist: geschäftig und überfüllt, aber trotzdem bewegungsarm und isoliert. Wie wir uns bewegen, was wir essen, wie wir pendeln und uns unterhalten, wie wir Sport treiben, Kontakte pflegen und schlafen – all dies hat Einfluss darauf, ob wir entspannt oder angespannt, gesund oder beeinträchtigt sind. Noch größere Gesundheitsprobleme sind absehbar, da die Umwelt immer mehr geschädigt wird und der Klimawandel fortschreitet, was für noch mehr persönliche und gesamtgesellschaftliche Belastungen sorgen wird.

Ist Gesundheit möglich?

Diese Zustände passen nicht dazu, dass wir von Gott nach seinem Bild geschaffen sind. Doch sie sind die erwartete Folge menschlichen Wissens ohne Einfluss von Gott. Dass ist es, was wir meinen, wenn wir sagen, dass die Welt durch die Auswirkungen der Sünde beschädigt ist: Wir bekommen die Folgen eines Lebens zu spüren, das von Konkurrenzkampf, Ausbeutung und Gier statt von Gottes Weg der Liebe, Zusammenarbeit und Gleichberechtigung getrieben ist. Menschliches Leid und Krankheit kommen insgesamt daher, wie wir unseren gemeinsamen Lebensraum gestaltet, gebaut und behandelt haben.

Wir sind allerdings in einer Situation, die uns schwächt – was zumindest einen Beobachter nicht überraschte. In Mirage of Health (1959) schrieb der Mikrobiologe René Dubos (1901–1982), wir würden immer an der Schwelle des Krankseins leben, immer ungesund sein – nicht nur durch das unvermeidbare Altern und Krankheitserreger, auch nicht wegen irgendeiner falschen spirituellen Basis. Er glaubte vielmehr, wir würden nie frei von Krankheit sein, weil wir unfähig seien, den Status quo des Lebens so zu akzeptieren, wie er ist. Aufgrund eines angeborenen Drangs, zu forschen und uns, schwach wie wir sind, neuen Bedingungen auszusetzen, meinte er, würden wir uns immer in neue Situationen bringen, wo eine Folge Krankheit sein werde. Man könnte argumentieren, dies sei die Folge des unklugen Bestrebens, wie Gott zu sein, ohne auf Gott zu hören.

Dubos kam dagegen zu dem Schluss, Gesundheit sei eine Fata Morgana und Krankheit eine Gegebenheit – einfach eine weitere Facette des Menschseins. „Krankheit wird eine unausweichliche Manifestation der [menschlichen] Anstrengungen bleiben. […] Der Mensch könnte der Gefahr nur entgehen, indem er auf Abenteuer verzichtet, indem er das aufgibt, was dem Menschsein seinen einzigartigen Charakter und Genius unter den übrigen Lebewesen gegeben hat.“

Jede Zivilisation hat ihre eigene Art von Pestilenz und kann sie nur unter Kontrolle bringen, indem sie sich selbst reformiert.“

René Dubos, Mirage of Health (1959)

Daher Mirage – Fata Morgana. Gesundheit werde immer unerreichbar sein.

Was Dubos „Abenteuer“ nannte, könnte man vielleicht einfach als schlechte Entscheidungen deuten. Einen „einzigartigen Charakter und Genius“ haben wir in der Tat; und wie der Zustand der Welt zeigt, haben wir ihn nicht richtig fokussiert. Unser „Genius“ hat eine Korrektur der Ausrichtung nötig. So können wir zwar nicht als Einzelpersonen die Welt und ihre Systeme neu aufbauen, aber wir können Wege finden, unsere Gesundheit zu verbessern, auch unter erschwerten Bedingungen. Gesundheit muss keine unerreichbare Fata Morgana sein, für immer hinter dem Horizont. Wie Salomo schrieb, sollten wir nicht aufgeben, sondern in allen wichtigen Dingen – auch der Gesundheit – Weisheit suchen und nach dem, was wir wissen, handeln. Denn „das Ohr der Weisen sucht Erkenntnis“ (Sprüche 18, 15) und „Pläne werden zunichte, wo man nicht miteinander berät; wo aber viele Ratgeber sind, gelingen sie“ (Sprüche 15, 22).

Wir sind nicht irgendwie dazu verdammt, heute ungesund zu leben. Schließlich sind wir „wunderbar gemacht“, wie der Psalmist schrieb; „wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139, 14).

Körper und Geist in Einklang bringen

Deshalb ist es gut, uns um Verhaltensweisen zu bemühen, die unser körperliches Leben verbessern. Es ist auch klar, dass wir nicht den Karren vor das Pferd spannen dürfen. Körperliche Gesundheit ist nicht das A und O. Körperliches Wohlergehen geht vorbei, gleichgültig, was wir tun, und Gott hat Pläne für uns, die über dieses Leben hinausgehen. Paulus schrieb an Timotheus, körperliche Betätigung sei hilfreich, aber eine andere Bemühung sei wichtiger, da sie die Frucht des Geistes bringt: „Denn die leibliche Übung ist wenig nütze; aber die Frömmigkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens“ (1. Timotheus 4, 8). Dieses richtige Gleichgewicht zu wahren, ist in sich selbst beruhigend und bringt Wohlbefinden, wie das Sprichwort sagt: „Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden“ (Sprüche 3, 1–2).

Der Romancier und Essayist David Foster Wallace (1962–2008) äußerte sich auch besorgt über unsere Neigung, uns zu sehr auf eigene Belange des Augenblicks zu konzentrieren. „Keinen Kult zu haben, gibt es nicht“, behauptete er. Aber Vorsicht: Körperkult wird Sie „bei lebendigem Leib auffressen“, warnte er. „Beten Sie Ihren eigenen Körper und Ihre Schönheit und sexuelle Anziehungskraft an, und Sie werden sich immer hässlich fühlen, und wenn die Zeit und das Alter ihre Wirkung zeigen, werden Sie millionenfach sterben, bevor man schließlich um Sie trauert.“

Der Onkologe Ezekiel Emanuel erinnert in Eat Your Ice Cream: Six Simple Rules for a Long and Healthy Life an diese wichtige Perspektive: „Denken Sie an die erste Regel des Lebens: Wir alle werden sterben. Sie können all Ihre Zeit mit dem Versuch vertun, Ihr Leben um ein paar Minuten zu verlängern, sich mit zig Anpassungen Ihrer Ernährung oder Sportroutinen verrückt machen“ – oder, fährt er fort, Sie können sich einige Verhaltensänderungen angewöhnen und „die Zeit, die Sie haben, gesünder und sinnvoller machen“.

Der Titel dieses Buchs [The Gospel of Wellness – Das Evangelium der Gesundheit/Wellness] ist nicht wörtlich zu nehmen. […] Aber ich sehe tatsächlich, wie Gesundheit/Wellness als dekonstruierte Religion fungiert – ein regulatorisches System, das uns anweist, wie wir unser Leben zu führen haben. Es ist fast so, als ob da eine neue moralische Ordnung zementiert würde.“

Rina Raphael, The Gospel of Wellness

Auch wenn wir fit und gesund sein wollen, ein langes, produktives und liebevolles Leben haben wollen, müssen wir uns also davor hüten, uns selbst zu Götzen zu machen. Und es gibt durchaus Druck, das zu tun. Unser Hang, uns selbst zu verhätscheln, ist die größte Zielscheibe der Gesundheits- und Wellnessindustrie: Eitelkeit und eine Tendenz, fast alles zu tun – einschließlich Aderlässe, Plasmainjektionen und, in manchen Kulturtraditionen, Bluttrinken –, um eine wundersame Verjüngung und Langlebigkeit zu erreichen. Im Jahr 2028 dürfte die Gesundheits- und Wellnessindustrie neun Billionen US-Dollar umsetzen, indem sie alles verkauft, was man mit Geld kaufen kann: Nahrungsergänzungsmittel aller Art, personalisierte Medizin und Schönheitspflege, Diäten, Programme für Fitness und psychische Gesundheit, Wellnesstourismus und sogar Wellnessimmobilien. Zwar ist das Bedürfnis real, gesund zu werden oder zu bleiben, aber viele dieser Angebote werden wahrscheinlich enttäuschen, nur die Brieftasche leichter machen und uns den Schaden lassen.

Emanuel fügt hinzu: „Informationen kommen aus einem Feuerwehrschlauch über uns, zunehmend von Profitmachern und selbsternannten Gurus, die Millionen Follower (und Dollar) in sozialen Medien zusammengerafft haben, indem sie mit medizinisch klingender Sprache angebliche Wunderbehandlungen verheißen.“

Solide Wissenschaft oder hohler Hype?

Die Mehrheit der Amerikaner sucht heute Gesundheitsinformationen auf sozialen Medien (und selbst wenn wir sie nicht suchen, werden sie uns vor die Augen gekippt)“, schreibt Jessica Grose in der New York Times. „Es bleibt an uns, eine Welt von unbewiesenen, übertriebenen und manches Mal falschen Behauptungen von der Wahrheit zu trennen.“

Sowohl Sorgfalt als auch Skepsis bleiben wichtig. Der Immunologe Morgan McSweeney (alias Dr. Noc, Medizin-Influencer) erklärt, warum es so leicht ist, auf Behauptungen zum Thema Gesundheit und Wellness hereinzufallen. Von Natur aus „reagieren Menschen auf Inhalte, die sich relevant, zugänglich und dringend anfühlen. Das System holt sie dort ab und optimiert sich für Mitteilungen, die ihre Aufmerksamkeit am längsten fesseln, ob sie nun stimmen oder nicht“.

Niemand ist darauf aus, etwas Falsches über seine Gesundheit zu glauben. Die Menschen versuchen, für sich und ihre Lieben zu sorgen, so gut sie können“, schreibt McSweeney – umso mehr gilt es, den Unterschied zwischen wissenschaftlichen Berichten und unfundierten Gerüchten zu verstehen.

Tatsächliche Forschungsarbeit ist z. B. eng begrenzt und spezifisch. Autoren wissenschaftlicher Berichte „sichern ihre Schlussfolgerungen ab und beschreiben die Abgrenzungen ihrer Studie; sie wehren sich dagegen, beobachtete Assoziationen zu Anweisungen zu machen. Solche Forschungsberichte werden für Leser geschrieben, die verstehen, dass Biologie selten eindeutige Antworten serviert. Bedauerlicherweise kommt diese Version der Geschichte fast nie bei Ihnen an“, schreibt McSweeney. Nuancen und Details kommen in sozialen Medien nicht weit, und auch Mainstream-Medien bringen oft „Köder“-Schlagzeilen, die tatsächliche Forschungsergebnisse falsch darstellen.

Was bei Ihnen ankommt“, fährt McSweeney fort, „ist die Version, die eine andere Art von intensivem Druck überlebt hat: den Druck von Geschwindigkeit, Format und Aufmerksamkeit.“ Die Diskrepanz zwischen sorgsam durch andere Fachleute geprüfter akademischer Substanz und nachrichtenträchtigem, bloggerfreundlichem, oft lukrativem Hype ist enorm. In dieser Kluft kann man sich so leicht verirren. „Behauptungen, die viral gehen sollen, […] lassen sich bis zur emotional volltönendsten Botschaft vereinfachen, aller Vorbehalte entledigen und von Anfang an mit Überzeugung formulieren.“ Neuen Forschungsergebnissen zufolge verstehen die meisten Konsumenten sozialer Medien diesen Unterschied.

Das Risiko schlechter und teurer Dinge 

Eine gesunde Lebensführung zu entwickeln, kann in den besten Zeiten schwierig sein. Und unsere Zeit ist nicht die beste. Wir sind biologisch und sozial eingebunden in eine Welt, die frühere Generationen nie erlebt haben. Das Tempo des Lebens, die Auswirkungen von Chemikalien und die sozialen Zwänge, die die menschliche Existenz definieren, sind heftiger als je zuvor. Ein Forschungsbericht beschreibt die negativen Rückwirkungen eines stresserfüllten Lebens auf die allgemeine Gesundheit so: „Derzeit wird bei erwachsenen Einwohnern der USA ein allgemeines Stressniveau in noch nie da gewesener Höhe gemeldet, und bei gestressten Erwachsenen sind gesunde Verhaltensweisen weniger wahrscheinlich. Es wird immer dringlicher, dass sich Menschen in Gesundheitsberufen und politische Entscheidungsträger bemühen, die Aufnahme und Beibehaltung gesunder Verhaltensweisen zu fördern, um die destruktiven biologischen Folgen eines immer stressigeren Lebens zu mildern.“ Dieser Bericht betraf spezifische Bedingungen in den USA vor zwölf Jahren – aber unsere weltweite Situation hat sich nicht verbessert.

Chronische Krankheiten sind schlecht und teuer für uns alle: Einzelpersonen, Familien, Völker und die Menschheit insgesamt. „Wenn jemand ungesund lebt, steigt das Risiko signifikant, dass schlechte und teure Dinge geschehen“, schreiben Ross Arena und Carl Lavie in den Mayo Clinic Proceedings. „Gegenüber den Menschen mit der ungesündesten Lebensführung haben diejenigen mit einer idealen Lebensführung – d. h. die vor allem körperlich aktiv sind, sich nährstoffreich und gesund ernähren, nicht rauchen und ein gesundes Körpergewicht halten – ein bis zu 80 % geringeres Risiko, dass mit ihrer Gesundheit schlechte und teure Dinge geschehen (z. B. eine chronische Krankheit und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgeschäden). Tatsächlich gibt es keine andere pharmazeutische Mixtur oder chirurgische Prozedur, die solche Risikominderungen übertreffen kann.“

Essen [allein] hält einen Mann nicht gesund; er muss auch Bewegung haben. Denn Essen und Bewegung besitzen zwar gegensätzliche Eigenschaften, wirken aber zusammen, um Gesundheit hervorzubringen.“

Hippokrates, Regimen I (ca. 400 v. Chr.; Englisch von W. H. S. Jones, 1931)

Dass besseres Bewusstsein für Ernährung, körperliche Aktivität und Schlafmuster sowie geeignete Umstellungen bei diesen Faktoren der Lebensführung der Weg zu gesünderem Leben sind, ist durch eine Fülle von Forschungsergebnissen belegt. Das zu tun, wäre das magische „Allheilmittel“, das Ärzte so gern zur Verfügung hätten. In gewisser Weise haben sie es schon verschrieben – aber halten wir uns an die Gebrauchsanweisung?

Ernährung, Bewegung und Schlaf

Ich bin kein Ernährungsexperte. Wenn es allerdings um zu viel essen geht, sind meine Referenzen kaum zu überbieten“, schreibt Peter Wells, Restaurantkritiker der New York Times. „Ich gehe davon aus, dass viele Leute einfach wie ich weniger von den Sachen essen wollen, von denen wir wissen, dass wir sie meiden sollten, und mehr von den Sachen, die besser für uns sind. Dies sind keine ernährungswissenschaftlichen Leitlinien, sondern allgemeine Prinzipien, wie man sich vernünftiger verhält, wenn man Essen vor sich hat.“

Wells gibt ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, was man reuige Umkehr in Sachen Ernährung nennen könnte. Weil bei ihm Prädiabetes diagnostiziert wurde, war es seine erste Aufgabe, sich von zugesetztem und raffiniertem Zucker abzuwenden und Vollkornprodukten zuzuwenden. „Das ist das Herz meines ersten Neustarts: Kohlenhydrate in ihren originalen, robusten, knackigen, komplizierten Formen zu essen.“ Wells begann, sein Einkaufsverhalten neu zu orientieren – und damit seine Umgebung für die Vorbereitung von Mahlzeiten. Er begann, Lebensmittel mit mehr Sorgfalt zu kaufen, indem er sich an die äußeren Gänge von Supermärkten hielt. In inneren Gängen stehen hochverarbeitete Produkte; außen sind die frischen und vollwertigen Lebensmittel zu finden. Es ist ein guter Rat: „Indem ich mich an die äußeren Bereiche halte, kann ich aus einer Lebensmittelumgebung, die mit schlechten Ideen überladen ist, die guten Sachen abschürfen.“

Corby Kummer, Geschäftsführer des Programms Food and Society am Aspen Institute, unterstützte diese Strategie und riet Wells, sie sei jede Anstrengung wert, die er leisten könne. „Ihre Lebensmittelumgebung zu ändern, ist das Wichtigste, was Sie für sich tun können“, schrieb er.

In puncto Bewegung warnt der Ice Cream-Mann Emanuel, eine Couch-Potato zu sein, „ist der Inbegriff eines gesundheits- und langlebigkeitsfeindlichen Lebensstils“. Es ist eine Tatsache, die wissenschaftlich seit Jahrzehnten gut bekannt ist: „Regelmäßige körperliche Aktivität – nicht nur der gelegentliche Ausflug zum Sportstudio, sondern routinemäßige, ständige, instinktive Bewegung – ist unverzichtbar für die Gesundheit.“ Emanuel betont routinemäßig und ständig. Er nennt Ergebnisse von Studien, die gezeigt haben, dass schon 15 Minuten Bewegung am Tag mit einer Lebensverlängerung um drei Jahre assoziiert sind. Die Forscherin Anne Sofie Graham merkt an, dass weniger manchmal mehr ist, solange es regelmäßig stattfindet. Sie hat festgestellt, dass tägliche Trainingsrunden von mehr als 30 Minuten dazu führen können, dass man erschöpfter ist und danach wahrscheinlich weitere Aktivität einschränkt.

Wenn man weniger Sport treibt, hat man mehr Energie, um den Rest des Tages aktiv zu sein. Das führt langfristig zu mehr Gewichtsabnahme.“

Anne Sofie Graham, Interview in ScienceNordic (2013)

Emanuel rät zu einem klugen Voranschreiten bei der Abkehr von bewegungsarmen Gewohnheiten. „Die größten Gewinne bei der Senkung des Sterberisikos finden sich bei Menschen, die von keiner Aktivität zu moderater Bewegung übergehen. Der Übergang von Liegen zu Gehen, von da zu Joggen oder Bergwandern, dann zu Laufen oder Radsport bietet die höchste potenzielle Verbesserung Ihrer Gesundheit und Langlebigkeit.“

Ein wichtiger Vorbehalt bei einer Sportroutine ist die Möglichkeit von Kopftraumata. „Wenn Sie wollen, dass es Ihnen gut geht, verzichten Sie auf die Sportarten mit Kopfstößen“, warnt Emanuel. Kopftraumata und Gehirnerschütterungen, die bei Profisportlern zu degenerativen Gehirnerkrankungen führen, sind in bestimmten Kontexten als „Berufskrankheit“ bezeichnet worden; kein Mysterium, sondern eine Spätfolge wiederholter Verletzungen. Wenn also Kontaktsportarten mit einem Risiko von Kopfverletzungen zu Ihrem Sportprogramm gehören – z. B. Fußball, American Football und Rugby –, denken Sie noch einmal nach (solange Sie es noch können). Emanuel räumt ein: „Kontaktsportarten können neben der Bewegung nützliche Fähigkeiten bringen: Teamwork, Disziplin, Durchhaltevermögen. Doch so wertvoll diese Fähigkeiten sind, man kann sie alle ohne ein so hohes Risiko erwerben, sich das Hirn zu zerschlagen.“ Versuchen Sie vielleicht Volleyball, Tennis, Schwimmen oder Pickleball (obwohl bei Letzterem auch zunehmend Verletzungen an Kopf und Körper vorkommen).

Schließlich das Dritte in der Trinität aus Ernährung, Bewegung und Schlaf: „Ein erholsamer Nachtschlaf kann ein magisches Gefühl von Wiederherstellung und Wohlergehen bewirken“, schreibt der Kardiologe Eric Topol in Super Agers: An Evidence-Based Approach to Longevity. Wir alle haben das schon erlebt, aber es sollte nichts Einmaliges sein. „Schlaf ist ein nicht verhandelbarer biologischer Zustand, der für die Erhaltung menschlichen Lebens erforderlich ist“, fügen die Schlafforscher Michael A. Grandner und Fabian-Xosé Fernandez hinzu. „Schlaf ist mit vielen physiologischen Prozessen im Gehirn und der Peripherie verbunden und übt dadurch einen enormen Einfluss auf unser Wohlbefinden aus.“

Topol zufolge sind sieben Stunden die beste anzustrebende Schlafdauer. Forschungsergebnisse zeigen, dass sowohl mehr als auch weniger negative Folgen haben. Weiter zeigen Forschungsergebnisse, dass eine ruhige Umgebung für den Schlaf besonders wichtig ist. Selbst Hintergrundgeräusche, an die wir vielleicht gewöhnt sind, sind tatsächlich störend. Wir meinen vielleicht, die Geräusche würden ignoriert, aber unser Herz hört zu … und hat Stress. Im Jargon des Forschungsbetriebs wird dies so beschrieben: „Eine gewisse Gewöhnung an Umweltgeräusche tritt während des Schlafs ein, und wenn die Exposition moderat ist, sieht man nicht selten nach einigen Tagen oder Wochen eine progressive Abnahme oder gar ein Verschwinden des subjektiven Störungsgefühls. Diese Gewöhnung ist allerdings nicht komplett, und die während des Schlafs beobachteten vegetativen Reaktionen auf die Geräusche (spezifischer die kardiovaskulären Reaktionen) bleiben über sehr lange Expositionszeiten aufrechterhalten.“

Für heute und für morgen

Der Essayist Wallace verstand die Herausforderungen der „Grundeinstellung“ unserer Aufmerksamkeit, wie er es nannte – so sah er das selbstvergötternde Wesen des Menschen. Die Fehlerquelle war nicht so sehr Dubos’ Fata Morgana oder dass Gott die Konstruktion nicht richtig gemacht hätte. Nein, Wallaces Vorstellung von der Grundeinstellung scheint stimmiger, uns allen gemeinsam: Es ist leicht, in Nabelschau zu verfallen. Gesundheit um ihrer selbst willen, wie sie die Gesundheits-Influencer promoten, kann verführerisch sein – so sehr, dass wir aus den Augen verlieren können, warum wir den Wunsch haben sollten, gesünder zu sein; es ist nicht nur für uns, sondern auch für andere. Und eine gesunde Ernährungs-, Bewegungs- und Schlafroutine zu finden, ist vielleicht nicht so gewaltig, wie wir es uns zunächst vorstellen.

Die Zukunft wird es Ihnen danken, dass Sie auf Ihre Intuition gehört haben, dass Sie Grenzen aufrechterhalten haben, die Ihr inneres Wohlergehen unterstützen, dass Sie Nein zu Dingen gesagt haben, die Ihren Werten nicht entsprachen, dass Sie sich Zeit genommen haben, Ihre Selbstwahrnehmung aufzubauen, und dass Sie Ihrer Vision treu geblieben sind.“

yung pueblo, Clarity and Connection (2021)

Der Ausweg aus dieser Falle und der wahre Grund dafür, persönlich gesund und frei von chronischen Krankheiten sein zu wollen, ist, das Leben in Fülle zu leben, mit einer Perspektive über das eigene Ich hinaus, anderen zu dienen – in gewisser Weise andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten. „Die wirklich wichtige Art der Freiheit“, schließt Wallace, „erfordert Aufmerksamkeit und Bewusstheit und Disziplin und die Fähigkeit, andere Menschen wirklich wichtig zu nehmen und für sie immer und immer wieder Opfer zu bringen – in unzähligen unbedeutenden, unspektakulären Formen, jeden Tag.“ Auch Emanuel weiß: „Alle Daten zeigen, dass tätiger Dienst an anderen uns glücklicher und erfüllter macht.“

Wir sind in einer heiklen Lage, aber nicht hoffnungslos. Geistlich können wir uns auf die verheißene Zeit der Wiederherstellung, Heilung und Versöhnung mit Gott freuen (Apostelgeschichte 3, 19–21; Offenbarung 21, 3–4). Und körperlich können wir uns für ein proaktives Vorgehen entscheiden: uns für die Dinge entscheiden, die gesund sind, soweit wir sie verstehen – und dabei immer, wie die Evangelien uns anweisen, unser Leben auf unser höheres Ziel hin orientiert halten. „Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ (Matthäus 6, 25).

Eine kurze Liste gesunder Entscheidungen

In Super Agers (2025) bezeichnet Eric Topol gesunde Lebensführung als Lifestyle+. „Wenn wir über ,gesunde Lebensführung‘ diskutieren, geht es gewöhnlich um Ernährung, Bewegung, Schlaf und den Konsum von Alkohol, Kaffee und Tabak.“ Aber auch unsere äußere Umgebung ist wichtig; daher das Plus. Topol fährt fort: „Meine viel weiter gefasste Definition Lifestyle+ umfasst zusätzlich Umweltbedingungen wie Kontakt mit Giften einschließlich Umweltverschmutzung, Mikroplastik, Ewigkeitschemikalien, sozioökonomischen Status, Einsamkeit und soziale Isolation.“

Es ist leicht, davon erschlagen zu werden; einen gesunden Weg zu finden, ist nicht leicht. Und wie der weise König Salomo schrieb, gibt es keine Garantien. „Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein, zur Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein; dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er etwas gut kann, sondern alles liegt an Zeit und Glück“ (Prediger 9, 11).

Eine Haltung hoffnungsvoller Sorgfalt ist erforderlich, aber seien Sie nicht verbissen – das bewirkt das Gegenteil. In Eat Your Ice Cream (2026) warnt der Onkologe Ezekiel Emanuel davor, das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren. Er bietet eine wichtige Weisheit an: Genießen wir das Geschenk des Lebens; hin und wieder ein Eis zu essen, schadet nicht.

Wir brauchen Willenskraft als die Kraft, die Trägheit überwindet“, merkt Emanuel an. „Aber immer wieder für gesunde Aktivitäten Willenskraft aufzubringen, erschöpft unsere begrenzten Vorräte und führt dazu, dass wir schließlich aufgeben und wieder in schlechte Angewohnheiten verfallen.“ Machen Sie durchdachte Angewohnheiten zu Ihrer Routine, fährt er fort. „Entscheidend ist, sicherzustellen, dass Ihr regulärer Tagesplan Ihre Gesundheit fördert, ohne Sie zu einem Hamster in einem Laufrad zu machen. Und ohne Sie zu beschämen oder zu stressen, weil Sie nicht mehr tun.“

Die folgende kurze Liste fasst gesundheitsfördernde Praktiken zusammen, die auf Forschung basieren und von Menschen in Gesundheitsberufen in aller Welt befürwortet werden.

  • Achten Sie beim Essen auf gesunde Ausgewogenheit (mehr Pflanzen, weniger Tiere).
  • Stehen, gehen, strecken Sie sich: Bewegen Sie sich, aber schlagen Sie sich nicht den Kopf an.
  • Konsequente Schlafroutinen helfen Körper und Gehirn bei der Selbstheilung und Reinigung.
  • Pflegen Sie soziale Kontakte: Treffen Sie sich persönlich mit Angehörigen und Freunden.
  • Achten Sie auf toxische Einflüsse, die psychischen, körperlichen und physiologischen Stress bewirken. Beachtung sollte zu Vermeidung führen. Dazu gehören sowohl chemische Gifte (Pestizide, Schwermetalle, Mikroplastik, per- und polyfluorierte Chemikalien, ultrahoch verarbeitete und gezuckerte Speisen) als auch soziale Gifte (soziale Situationen und Medien, die emotionale Extreme stimulieren: Wut, Angst, Eifersucht, Aggression, fügsame Stumpfheit, Sexualangst).